Mittlerer Jura

Fund eines „Ammonitenhorts“ im Auerbacher Mitteljura: Wie ausrangierte Ammoniten zu schönen Schliffpräparaten wurden

Vor ein paar Wochen war es für mich wieder einmal an der Zeit, mich auf den Feldern in der Auerbacher Gegend (Oberpfalz) umzusehen. Hier streichen Schichten des Bajociums (Mitteljura) aus, die eine reiche Fossilführung aufweisen. Thomas Krieger und Armin Bauer erarbeiten derzeit ein Steinkern-Spezialheft zu diesem Thema, das im Jahr 2022 erscheinen soll.

Leider waren die meisten Felder zum Zeitpunkt meines Besuchs entweder noch nicht abgeerntet oder bereits wieder mit Raps bestellt – keine guten Aussichten für Funde! Doch dann fand ich einen Abfallhaufen, der es in sich hatte. Ein Sammler hatte zahlreiche, für ihn offenbar nicht brauchbare Stücke entsorgt. Die Entsorgung an Fundorten ist eine Unsitte, die immer öfter zu sehen ist. Obwohl dieses Verhalten z. B. in den Steinkern-Grundregeln ausdrücklich missbilligt wird, kommt es immer wieder vor. In diesem Fall war es jedoch letztlich kein Ärgernis, sondern avancierte sogar zu einem Glücksfall für mich - es war eine Art "Hortfund" (wie man in der Archäologie sagen würde).

Es waren hunderte Ammoniten und einige Brachiopoden. Es handelte sich fast ausschließlich um Stücke aus dem Auerbacher Raum, abgesehen von ein paar wenigen Resten aus Buttenheim. Alles lag zu einem Haufen aufgetürmt da. Ein paar Meter davon entfernt lagen nochmals weitere Ammoniten in einer Furche am Feldrand. Nach einer ersten Inspektion war erkennbar, dass nur die wenigsten Stücke anpräpariert waren, die meisten waren wohl lediglich abgewaschen und danach aussortiert worden. Ich entschied mich dazu, alle Ammoniten mitzunehmen, da ich wusste, dass Ammoniten aus dem Mitteljura der Auerbacher Gegend nicht selten ein sehr schönes Innenleben haben. Aufgesägt und geschliffen würden sicherlich einige schöne Stücke daraus werden.

Im Hinblick auf das Verfassen des Berichts habe ich mir die Mühe und den Spaß gemacht und die entsorgten Ammoniten gezählt - es sind – sage und schreibe – 936 Stück! Das Größenspektrum reicht von 1 cm bis 4 cm. Die meisten Exemplare sind Strenoceraten, Stephanoceraten und Garantianen. Dafür muss ein alter Mann lange die Felder ablaufen! Einen Teil des „Ammonitenhorts“ habe ich zwischenzeitlich anpräpariert und alle Stücke, die äußerlich nichts taugten (leider die weitaus meisten) geschnitten. Die Exemplare, die sich hierbei als interessant erwiesen, habe ich anschließend geschliffen und poliert. Meine Steinsäge hat ein Blatt von 4 mm Stärke, deswegen bekomme ich immer nur eine Hälfte, die ich dann bis zur Mitte schleifen kann. Mit einem dünnen Blatt wäre es bei einem Medianschnitt sonst sicherlich möglich, das eine oder andere Pärchen zu erhalten. Das Schleifen führte ich mit einer selbstgebauten Nassschleifmaschine durch.

 

 

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Abb. 1: Dies ist ein interessantes Stück, denn dieser Ammonit brach lange nach der Einbettung und Auskristalisierung und wurde dann leicht verschoben wieder verkittet.

 

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Abb. 2: Bei diesem Stephanoceras sind manche Kammern kaum noch zu erkennen.

 

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Abb. 3: Innenwindungen eines Ammoniten der Familie Stephanoceratidae.

 

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Abb. 4: Phragmokon eines Vertreters der Stephanoceratidae, bei dem neben dem Phragmokon auch noch ein Teilstück der Wohnkammer erhalten ist.

 

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Abb. 5: Bei diesem Ammonitenphragmokon mit hellen Kammerscheidewänden habe ich ein wenig zu viel geschliffen, so dass die Mitte fehlt.

 

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Abb. 6: Bei diesem farbenfrohen Stück herrschen Rottöne vor.

 

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Abb. 7: Bei diesem Stephanoceras ist die Wohnkammer vorhanden und mit Sediment und Ooiden verfüllt, während der Phragmokon überwiegend keine Sedimentfüllung aufweist, wodurch er auskristallisieren konnte.

 

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Abb. 8: Bei diesem Stephanoceras ist die Wohnkammer, die ein wenig mehr als eine halbe Windung einnimmt, erhalten. Die ersten Kammern sind mit Sediment verfüllt, der Rest des Phragmons mit Kristallen.

 

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Abb. 9: Im Inneren dieses Ammoniten offenbart sich dem Auge des Betrachters nach dem Sägen, Schleifen und Polieren eine sehr schöne, gleichmäßige Kammerung.

 

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Abb. 10: Bei dieser Garantiana war keine Innenwindung vorhanden. Einige Kammern sind nicht vollständig auskristallisiert.

 

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Abb. 11: Auch bei diesem Stephanoceras fehlte das Zentrum - beim Sägen und Schleifen nimmt man diesen Umstand genau so enttäuscht zur Kenntnis, wie beim Präparieren.

 

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Abb. 12: Beim Anstrahlen dieses Stephanoceras habe ich leider die etwas mürbe Mitte "rausgeschossen".

 

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Abb. 13: Bei dieser Garantiana kann sehr schön eine Drängung der Kammerscheidewände zum Ende der letzten Windung beobachtet werden.

 

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Abb. 14: Strenoceras mit Wohnkammer.

 

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Abb. 15: Bei diesem Stephanoceras haben sich entweder die Kammerscheidewände über eine halbe Windung aufgelöst (hell auskristallisierter Bereich) oder es handelt sich hierbei um einen Teil der Wohnkammer und das Individuum war so gekippt eingebettet, dass dieser offen blieb und nicht mit Sediment verfüllt wurde und somit wie die Kammern des Phragmokons auskristallisieren konnte.

 

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Abb. 16: Bei dieser Garantiana weisen einige sedimentgefüllte Kammern in Richtung Zentrum darauf hin, dass das Ammonitengehäuse zum Zeitpunkt der Einbettung in diesem Bereich Beschädigungen aufgewiesen haben dürfte.

 

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Abb. 17: Während die äußeren Kammern bei diesem Ammoniten mit Sediment verfüllt sind, ist der Rest überwiegend zunächst unverfüllt geblieben und erst nachträglich auskristallisiert.

 

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Abb. 18: Strenoceras mit Wohnkammer. Die nicht nur bei diesem Exemplar sehr gut sichtbaren Kügelchen sind Eisenooide, wie sie fürs Sediment des Auerbacher Bajociums typisch sind.

 

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Abb. 19: Phragmokkon eines Stephanoceras.

 

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Abb. 20: Noch ein Stephanoceras – es gibt wirklich kein Stück, das wie das andere aussieht. Jeder Ammonitenschliff ist ein Unikat.

 

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Abb. 21: Bei dieser Garantiana sind in der dritten Windung (von außen gezählt) auf 10 Uhr (gelblich) und auf 3 Uhr (weiß) Reste des Sipho zu erahnen.

 

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Abb. 22: Ein Stephanoceras wie dieses kann durchaus mithalten mit den klassischen am Fossilienmarkt verbreiteten Schliffpräparaten aus dem Jura Madagaskars.

 

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Abb. 23: Dieses Stephanoceras weist eine besonders große Varianz an verschiedenartigen Kammerfüllungen und Färbungen auf.

 

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Abb. 24: Kontrastreiche Kammerung bei einem weiteren Stephanoceras.

 

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Abb. 25: Zum Abschluss noch ein Strenoceras. Die monotone Sedimentfüllung der Wohnkammer dieses Exemplars wird durch besonders attraktive Kammerfärbungen mehr als wettgemacht. In einigen der nicht ganz verfüllten Kammern sind hier sogar etwas größere Einzelkristalle zu sehen.

 

Fazit

Zirka jeder dritte bis vierte Ammonit aus dem Auerbacher Bajocium hat ein interessantes Innenleben. Es kommen hohle, mit Kristallen ausgekleidete, aber auch komplett verfüllte Kammern vor. Farblich herrschen rote und weiße Töne vor. Zu den Mineralen kann ich leider nichts sagen, da ich mich damit nicht näher auskenne, aber schön anzusehen sind die Stücke allemal.

Also, mein dringendes Plädoyer: nicht immer alles gleich in die Tonne werfen und auf keinen Fall auf den Acker! Für Fundmaterial wie das hier „ausgewilderte“, gibt es in der Steinkern-Community dankbare Abnehmerinnen und Abnehmer (Forenrubrik „Angebote / Verkauf“). Bei einer geordneten Übergabe von Fossilien auf diesem Wege blieben auch die Fundortinformationen konkreter überliefert. Vor allem aber hinterlässt eine Abgabe auf diesem Wege, anders als eine Entsorgung in Feld und Flur bei Dritten keinen schlechten Eindruck.

WEISS (2020) hat im Artikel „Sägen, Schleifen und Polieren – eine andere Art Fossilien zu präparieren“ in Der Steinkern - Heft 43 auch bereits auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass man so manches unpräparierbare oder nicht präparationswürdig erscheinende Stück durchaus noch retten und zu einem schönen Schliffpräparat veredeln kann und viele schöne Beispiele gezeigt. Weiteres Anschauungsmaterial in Sachen Schliffpräparate bildeten SIMONSEN (2009) und FURZE (2009) auf der Steinkern-Homepage ab (Links siehe unten).

 

Fritz Lang für Steinkern.de

 

 

Auswahl von Steinkern-Artikeln zum Thema Schliffpräpate:

SIMONSEN, S. (2009): Der letzte Schliff: Schliffpräparate vom Feinsten - Teil 1, Steinkern.de, Rubrik: Sonstige Berichte.

FURZE, R. (2009): Der letzte Schliff: Schliffpräparate vom Feinsten - Teil 2, Steinkern.de, Rubrik: Sonstige Berichte.

WEISS, F. (2020): Sägen, Schleifen und Polieren – eine andere Art Fossilien zu präparieren, in: Der Steinkern - Heft 43, S. 8-23.