Restauration einer Großlibelle aus den Plattenkalken

Große Libellen aus den Plattenkalken gehören mit zu den schönsten Fossilien, die das Revier zu bieten hat. Zumeist liegen sie da wie auf dem Spannbrett eines Insektensammlers: Ideal, erstarrt in Schönheit.

Etwa 90% aller Funde liegen auf den Spaltflächen (Schichtflächen I. Ordnung), nur Selten auf Schichtflächen II., III. Ordnung, oder gar wirklich in einer Schicht. Diese 10% bergen aber meist die besten Erhaltungszustände. Jedoch ist es so, dass auch Libellen, die „zu“ sind nicht automatisch eine Garantie mitbringen ein tolles Stück zu werden. Um die 70% der freigelegten Libellen sind qualitativ nicht besser als Spaltexemplare, mit dem Unterschied, dass man nur eine Seite hat, also das Spiegelbild verliert.

Geschmäcker sind verschieden, der Eine sammelt Spaltpaare, der Andere nur Rausgemachtes. Es soll jeder nach seiner eigenen Facon glücklich werden.

Nun hatte ich 2010 das große Glück eine Großlibelle selber zu finden. Große Freude, ein Monster in Seitenlage. Dummerweise lag sie an einer Kluft. Etwa 60% des Körpers laufen aus der Platte, abgegraben von einem Anderen Sammler, nicht erkannt, für immer verloren. Mitgenommen wurde das Stück dennoch, denn es war ein Hoffnungsträger! Die Libelle war zu. Sie liegt auf einem Panzerflinz von 4 cm Stärke und es war schon eine ordentliche Schlepperei. Das Objekt der Freude verteilte sich auf zwei große Platten, zwei kleine Scherben und einen kleinen Riegel. Das machte in Summe etwa 40 Kilo. Ich wollte das Risiko einer weiteren Beschädigung nicht eingehen und verzichtete auf das Verkleinern im Bruch. Außerdem brauchte ich ja einen Ansetzstein, für den Fall, das der Torso etwas taugt.

Daheim angekommen, wurden die Steine sofort gewaschen. Nach dem Trocknen kam der Brocken, der die Flügel enthielt sofort unter das Mikroskop. Das sah nicht schlecht aus. Eine Trennfuge im Bereich der zwei wieder aufzuklebenden Scherben war deutlich zu erkennen. Nun unternahm ich den Versuch die Flügel zu finden. Sie lagen ca. 3 mm tief in der Platte. Das abzutragende Gestein klebt etwas, ließ sich aber recht gut entfernen. Nach etwa 3 Stunden lagen die Flügel grob frei.  
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Jetzt wurden die zwei Scherben eingeklebt, durch die der Körper lief. Anschließend wurden die Steine aneinander gelegt und die Form der entstehenden Platte festgelegt. Nun kam die Diamantscheibe zum Einsatz. Die Steine wurden angesägt und dann durchgebrochen. Mit einem scharfen halbrund geschliffenen Meißel wurden die entstandenen Kanten entgratet.

Im folgenden Arbeitsgang werden die Steine zusammengeklebt. Zuerst wird der Riegel eingesetzt. Da es sich auf der einen Seite um eine schmale Kluft handelt, die nahezu unsichtbar schließt, wurde dieses Stück mit Sekundenkleber eingesetzt. Es folgt die Platte, die Brustkorb, Kopf und Beine enthalten sollte. Hier verwendete ich einen Mix aus Spachtelmassen und Akemi.

Nun wird von dem so entstandenen Stein ein Papiermodell der Kante genommen, an die ein Stein angesetzt werden muss. Nachdem das Modell erstellt ist, wird ausgesucht, wie es am besten passt. Das Modell wird fixiert und mit einer Farbsprühdose der genaue Kantenverlauf auf den Stein übertragen und so das zu entfernende Material markiert. Anschließend wird der Stein vorformatiert. Am Bandschleifer trage ich nun das überschüssige Gestein ab und kontrolliere immer wieder den Sitz. Nach Beendigung dieser Arbeiten werden die Stücke wieder mit dem Mix aus Spachtelmassen und Akemi zusammengesetzt, wobei darauf geachtet wird möglichst keine schweren Versätze zu produzieren.
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Nachdem die Klebung ausgehärtet ist, werden die Kanten verschliffen, so dass homogene Verläufe entstehen.

Jetzt wird der Körper freigelegt, wie auch die restlichen noch verdeckten Bereiche der Flügel. Anschließend sind Brustkorb, Beine und Kopf an der Reihe. Der Kopf erweist sich als Calcitblase - nicht so doll - und die Beine sind etwas zickig. Beim mittleren der drei Beine verrenne ich mich auch prompt, ein Loch das später wieder verschlossen werden muss. Dennoch sieht das Ergebnis doch schon recht gut aus.

Bei der Qualität stellt sich auch nicht mehr die Frage, ob nun ergänzt werden soll oder nicht. Es stellt sich nur die Frage, ob man lediglich das letzte vorhandene Segment des Hinterleibs komplettiert, oder ob das Tier vervollständigt werden soll. Ich entscheide mich für die zweite Möglichkeit.

Mit einem Bleistift zeichne ich die groben zu ergänzenden Konturen an. Jetzt wird das Material bis auf die Schicht auf der die Libelle liegt abgetragen. Das Grobe stimmt.
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Nun suche ich mir in meinem Fundus an Bildern ein vollständiges Vergleichsexemplar, drucke es aus und nehme es mit in die Werkstatt, wo es als Orientierungshilfe dient. Die Proportionen stimmen, es geht doch nichts über ein gesundes Formempfinden. Nun werden die Details herausgearbeitet. Die letzten Segmente sind etwas keulenförmig verdickt, das muss nachgearbeitet werden.

Jetzt wo die Umrisse stimmen, werden die Konturen gesetzt. Anschließend wird der so entstandene Hinterleib eingeschliffen, dann mit dem Skalpell glattgezogen und abschließend werden noch die Segmentgrenzen modelliert.
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Nun noch die zwei Löcher aufgefüllt und dann werden die Kanten gesetzt. Im Folgenden wird das gute Stück entstaubt und mit verdünntem Fluat eingelassen. Nachdem dies vollständig abgelüftet und ausgehärtet ist, gehe ich noch einmal mit dem Druckluftmeißel um die Libelle herum um Wachsränder auf den geweißten Flächen zu entfernen, fertig!

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Isophlebia ist eine der größten Libellen aus den Plattenkalken. Mir sind fast nur in Seitenlage eingebettete Stücke bekannt. Das größte mir bekannte Exemplar hat eine Flügellänge von 11,5 cm, woraus sich unter Berücksichtigung des Brustkorbs eine Spannweite von ca. 23,5 cm ergibt. Bei den Abmessungen werden die sicher ordentlich in der Luft geraschelt haben.
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Fossil:

Isophlebia aspasia

Flügellänge: 11cm

Fundort:

Solnhofener Plattenkalk, Region Eichstätt, Blumenberg

 

Verwendete Werkzeuge:

Vibrograph

Signograph 25 (uralt, aber für bestimmte Sachen unersetzlich)

Hardo Bandschleifer Caravelle

 

Dank:

An dieser Stelle möchte ich O. Schädlich für die unentgeltliche Nutzung der Maschinen im Betrieb danken, wie auch Dr. G. Bechly für die Unterstützung bei der Bestimmung.


Bericht für Steinkern.de, alle Rechte beim Autor