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Fossilien sammeln auf Rhodos (Griechenland)

Rhodos ist unter den Fossiliensammlern bekannt wegen seiner schönen und an manchen Orten auch reichlichen Tertiärfossilien (Kuhn 1998, Zbinden 1998) Sie entstammen alle der Sgourou-Formation. Diese marine Formation ist altersmäßig ins obere Pliozänbis beginnende Pleistozän zu stellen. Das entspricht einem Alter von zirka 1,7 bis 2 Millionen Jahren.
Dieses Schichtpaket hat Mächtigkeiten von wenigen Metern bis hin zu fast 200 Metern.
Es ist zumeist mit etwa einem Meter einer schottrigen Schicht des Pleistozän überdeckt.
Die Sgourou-Formation besteht aus dunklen Mergel- und hellen Sandabfolgen, die gelegentlich von Schotterbänken unterbrochen sind. Dabei sind nur die Mergel und Sande des unteren Bereiches fossilführend.

rhodos1.JPG
Schematische Geologische Karte der Insel Rhodos (vereinfacht nach Mutti et al. 1970) mit der Verbreitung der Sgourou-Formation.

Die von mir gesammelten Fossilien sind alle schalenerhalten. Die Schalen sind fast alle weiß, eine Ausnahme bildet hier Theodoxus in wunderschöner Farberhaltung.
Wenige Fundstücke sind auch gelblich gefärbt.

Eine Präparation ist in der Regel nicht erforderlich, lediglich Glyzimeris ist in mehreren Fällen sehr fest mit Sand behaftet. Der Bereich um Vasli ist jedoch  deutlich härter und daher schwerer zu bearbeiten.

Der Sammler von kleinen oder kleinsten Fossilien (Foraminiferen) sollte sich unbedingt ein Sieb mitbringen, um nicht mit einem Koffer voll Mergel oder Sand zurückzufliegen.

Meine Funde stammen fast alle aus der Region um Faliraki. Gegenüber dem Hotel Pegasos beginnt eine hügelige, leicht ansteigende Landschaft, die von tiefen, canyonähnlichen Schluchten durchzogen ist. An den Wänden dieser Schluchten, aber mehr noch auf den teils planen Flächen, sind reichlich freigespülte Muscheln und Schecken zu finden. Das Gelände ist mit kniehohen, teils dornigen Büschen bewachsen. Ende Juni blüht der wilde Thymian wunderschön.
Eine weitere Fundmöglichkeit ist am Wasserpark, an der Uferstrasse zirka 2 km nördlich von Faliraki. Wenn man die leichte Steigung zum Haupteingang erklommen hat, ist auf der rechten Seite hinter dem Parkplatz schon der sandige Boden zu sehen. Wer hier nicht aufpasst, der fällt über die Fossilien.

Von anderen Sammlern habe ich inzwischen erfahren, dass im Bereich um Kalithea, westlich der Uferstrasse, noch heute Seeigel zu finden sein sollen. Der ehemalige Fundplatz östlich der Straße, mit sehr schönen Brachiopoden, ist heute aber leider von einem Hotel überbaut.

Es sind lange feste Hose und eventuell feste Schuhe zu empfehlen. Die Fachliteratur empfiehlt, der Schlangen wegen, fest aufzutreten. Ich habe auch ohne diese Vorwarnung keine Schlangen, dafür aber riesige Stabheuschrecken gesehen.

Abschließend folgen Bilder einiger Funde:

Balanus.jpg
Balanus sp. - 36°19,278`N  /  28°12,430`O  Höhe ca. 15 Meter über dem Meeresspiegel

Dentalium_dentale.jpg
Dentalium dentale - 36°21`59,1"N / 28°12`28,5"O,  Fundhöhe zirka 60 Meter ü.NN

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Diverse Opercula - unterschiedliche Fundpunkte nördlich Faliraki

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Glycimeris sp. - unterschiedliche Fundpunkte nördlich Faliraki

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Murex trunculus: in einer Höhe von zirka 30 Metern gefunden, Position 36°21,095`N  /  28°12,378`O

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Spondylus crassicosta (vgl. O. SCHULTZ, Tertiärfossilien Österreichs), Fundort: zirka 60 Meter über dem Meer, Pos. 36°21,240`N  /  28°12,064`O,

Dieter Ketelsen

Literatur:
FOSSILIEN, Heft 1 Jan./Feb. 2000 ab Seite 33 (siehe auch Seite 17, Kreta).
FOSSILIEN, Heft 1 Jan./Feb. 2002 ab Seite 34, 41
FOSSILIEN, Heft 3 / 02  ab Seite 143,  153.
FOSSILIEN, Heft 4 Juli./Aug. 2002 ab Seite 227