Geschichte eines Reimports: Wie und warum ein Caturide aus dem Solnhofener Plattenkalk den Weg aus den USA zurück nach Deutschland fand

Im Juni 2019 wurde dieser kleine, präparatorisch malträtierte Caturide in den Weiten des Internets bei einem amerikanischen Fossilienhändler entdeckt. Die Blickdiagnose offenbarte trotz unscharfer und farblich übersteuerter Bilder sofort seine Besonderheit... und genau aus diesem Grund wurde der Fisch erworben.

 

Das Paket benötigte zirka zweieinhalb Wochen, bis es in Deutschland ankam. Eine weitere halbe Woche verging, bis sich die Gelegenheit ergab, es beim Zoll auszulösen.

Nach dem Auspacken erfolgte die genaue Sichtung des Fossils. Der Zustand entsprach den (von vornherein niedrigen) Erwartungen, es ist nicht präpariert, sondern eher „geschlachtet“ worden.

 

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Abb. 1: Der 12 cm große Fisch im Zustand, wie er durch den Atlantik nach Deutschland zurückschwamm“.

 

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Abb. 2: Foto vergrößern.

 

Interessant war es, die Rückseite der Platte zu betrachten. Die dortige Beule sieht nämlich so aus, als würde sich ein Krebs in der Platte verbergen. Gewissermaßen entspricht dies auch der Realität, denn im Magen des Fisches befindet sich ein von diesem gefressener Krebs beachtlichen Ausmaßes. Er ist so groß, dass der Räuber einen richtigen Hängebauch entwickelt.

 

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Abb. 3

 

Nach der Bestandsaufnahme geht es an die Überarbeitung von Fossil und Gestein. Teile der Flossen des Fisches konnten noch freigelegt werden. Die meiste Zeit verschlang die Überarbeitung des Spots, also die Gestaltung der Matrix im unmittelbaren Umfeld des 12,2 cm langen Fisches. Der Krebs im Bauch des Räubers, ist ein Schwimmkrebs, der die 6 cm Marke deutlich überschreitet.

 

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Abb. 4

 

Vergleicht man den Fisch mit einem klassischen Caturus nahezu identischer Größe, fallen ein paar Unterschiede auf.

 

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Abb. 5: Vergleichsstück von ähnlicher Größe.

 

Es sind folgende Unterschiede zu bemerken:

a: die Schuppen sind deutlich kleiner,

b: die Schwanzloben sind kürzer, erheblich breiter und nicht gleich lang. Der obere Lobus ist etwas länger,

c: die Schwanzflosse ist nicht so tief gespalten,

d: die Rückenflosse liegt etwas weiter hinten.

 

Es stellt sich daher die Frage, ob es überhaupt ein „klassischer“ Caturus ist? Das kann an dieser Stelle jedoch nicht geklärt werden.

 

Jedenfalls liegt dank der Räuber-Beute-Beziehung, die es repräsentiert, ein Fossil vor, dass eine interessante Momentaufnahme aus dem Oberjura zeigt. Caturiden mit Fischen in Bauch oder Maul sind hinreichend bekannt. Krebse als Beute scheinen jedoch die große Ausnahme zu sein. Ähnlich wie Fische im Bauch von Anaethalion, bei dem sich dagegen öfter Krebse im Magen finden. Bei diesem Caturiden stellt sich damit die Frage, ob Krebse auf dessen regulären Speiseplan standen, oder ob sie eher eine Notlösung waren.

 

Hier noch das Stück im Detail und unter UV-Licht.

 

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Abb. 6: Foto vergrößern.

 

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Abb. 7: UV-Foto vergrößern.

 

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Abb. 8

 

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Abb. 9

 

 

Angaben zum Fossil im Überblick:

Fossil: Caturide indet. mit Krebs als Beute im Bauch

Größe des Fisches: 12,2 cm, Größe des Krebses: > 6 cm

Fundort: Solnhofener Plattenkalk, Eichstätter Bruchrevier

Sammlung: Privat

 

 

Udo Resch für Steinkern.de