Oberer Jura

Nostalgisches aus dem Plattenkalk, 1. Teil: Ein fast schon „historischer“ Schlangenstern aus Zandt

Seit über 30 Jahren sind mein Bruder Roman und ich nun schon begeisterte Sammler von Fossilien aus den Solnhofener Plattenkalken. Hiermit möchte ich eine kleine Reihe von Beiträgen eröffnen, welche die gewissermaßen nostalgischen Aspekte des Hobbys in den Vordergrund rücken. Diese beruhen im Wesentlichen auf Erinnerungen, sporadischen Kalenderaufzeichnungen sowie alten Fotos, die glücklicherweise die Zeit überdauert haben. Den Anfang macht ein kurzer Text über unseren ersten kurzen Abstecher nach Zandt, einem der klassischen Fundorte im östlichen Plattenkalkrevier.

Es muss Ende der 1980er-Jahre gewesen sein, zu einer Zeit, als mein Bruder Roman und ich mangels eigener Führerscheine noch darauf angewiesen waren, uns von unserem Vater kutschieren zu lassen. Tatsächlich ist er damals ein bis zweimal pro Jahr mit uns von Paderborn aus ins Altmühltal zum Fossiliensuchen gefahren. Zumeist verbrachten wir dann die Tage im Hobbybruch auf dem Blumenberg bei Eichstätt. Aber auch andere Orte mit Plattenkalkvorkommen wurden gelegentlich angesteuert: Solnhofen, Langenaltheim, der Steinbruch Apfelthal und schließlich auch Zandt.

 

R u G Berndt

Abb. 1 (links): Roman auf einer Halde, wohl 1988.

Abb. 2 (rechts) Der Autor (damals 13 Jahre) im Steinbruch – man beachte das Hämmerchen.

 

Schon damals war der Zugang nicht ganz einfach (heute bekanntermaßen gar nicht mehr möglich). In der Nähe des Steinbruchs konnte man das Auto abstellen und mussten dann noch etwa 10 Minuten durch ein Wäldchen laufen. Wir hatten uns als Pilzsammler „getarnt“, mit Körbchen und Messerchen im Gepäck. Auf dem Weg stießen wir auf einen stark verwitterten, kleinen Aufschluss, aus dem man tatsächlich noch einige Platten aufklauben konnte. Und siehe da, auf einmal hielt ich einen der begehrten Schlangensterne in der Hand – die Freude war riesengroß. In den Steinbruch selbst konnten wir an dem Tag nicht hinein. Erst Jahre später gab es dann ein kurzes Zeitfenster, in dem wir dort sammeln konnten – und zwar mit einigem Erfolg: Zahlreiche Schlangensterne und Krebse aus den fein laminierten Lagen befinden sich seitdem in unserer Sammlung. Das Stück aus dem Wäldchen lag über viele Jahre im Elternhaus als Dekoration auf der Wohnzimmerfensterbank. Erst jetzt habe ich es wieder an mich genommen, einer gründlichen Reinigung (es hatte eine unansehnliche Staubschicht angesetzt) unterzogen und in die Sammlung integriert.

 

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Abb. 3: Geocoma carinata (GOLDFUSS 1833), 5,5 cm. Foto vergrößern.

 

 

Eckdaten zum Fossil im Überblick:

Schlangenstern Geocoma carinata (GOLDFUSS 1833)

Größe: 5,5 cm

Sammlung: Roman & Guido Berndt (Inv.-Nr.: SRGB-0413)

Fundort: Aufschluss in einem Wäldchen nahe des Zandter Steinbruchs

Lithostratigrafie: Tithonium, Weißjura-Gruppe, Painten-Formation, Zandt-Subformation

Biostratigrafie: Hybonotum-Zone, Riedense-Subzone, eigeltingense-Horizont

 

 

Guido M. Berndt (Berlin)