Pholidophorus - ein wenig geliebter Fisch aus den Plattenkalken

 

Pholidophorus ist ein nicht so häufig vorkommender Fisch aus den Plattenkalken. Trotz dieser Tatsache handelt es sich um ein wenig geliebtes Fossil, welches bei der Präparation seine Tücken hat.

 

Pholidophorus, von dem es verschiede Formen zu geben scheint, hat einen Spitznamen. Man nennt ihn den Brotfisch. Diesen Titel trägt er nicht ohne Grund. Er wird fast ausnahmslos in sehr dicken Geodenbildungen gefunden. Der Fisch kann  Größen von 35 bis 40 cm erreichen, was Knollen in typischer Brotleibform ergibt. Nicht selten erreichen sie Stärken oberhalb und unterhalb des Fossils von mehr als 6 cm.

 

Das vorliegende Exemplar konnte ich vor ein paar Jahren von einem bekannten Sammler auf der Petrefakta erwerben. Beim Erwerb hatte ich die Steine nur grob zusammengelegt, das Tier ist komplett und der Stein sah auch nicht so schlecht aus. 

 

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Bei der Nachbetrachtung stellt sich heraus, dass der Stein im vorderen Rumpfbereich eine Fehlstelle hat, wo ein Stein eingesetzt werden muss, denn der vorhandene Stein liegt zwei Lagen unter dem Niveau der restlichen Platte. Glücklicherweise scheint genügend Material vorhanden zu sein um die Lücke adäquat zu schließen.

 

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Nun wird damit begonnen die ersten Teile der Platte zusammenzufügen. Das Negativ wird zerlegt und die zu übertragenden Teile werden am Bandschleifer zurechtgestutzt und dünner geschliffen. Nachfolgend werden einige dieser Teile auf das Positiv aufgeklebt.

 

Im folgenden Schritt wird ein passender Tägerstein ausgesucht, auf den der Fisch auf geklebt werden soll.

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Nachdem der Stein ausgewählt ist, wird die grobe Position auf der Platte festgelegt, mit Bleistift markiert und leicht vorformatiert. Dann werden alle Teile nach und nach zusammengefügt und leicht stabilisiert. Auf dem nachfolgenden Bild kann man sehr gut erkennen wie die Geodisierung die Platten deformiert.

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Die Neugier lässt mich nicht warten und es wird ein Fenster in die Schwanzflosse gegraben. Die Qualität ist verlockend gut und es fällt schwer nicht fortzufahren.

 

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Nun werden wieder Türmchen und Begrenzer gebaut um die Platte beim Aufdoppeln wieder genau positionieren zu können und damit ein paralleler Verlauf der Oberflächen von Trägerplatte und Fischplatte gewährleistet ist.

 

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Nachdem der Kleber abgebunden hat, werden die Begrenzer entfernt. Im nächsten Schritt werden Hohlräume an den Rändern der hinteren Körperhälfte verfüllt. Nachfolgend wird der Trägerstein vorformatiert. Jetzt kann wieder präpariert werden. Weiter geht es an der Schwanzflosse und dann über die hintere Körperhälfte langsam nach vorne.

 

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Das vorläufige Ergebnis sieht schon nicht schlecht aus. Kopf, Genital- und Schwanzflosse wurden neben einer großen Partie im hinteren Rumpf erfolgreich übertragen.

 

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Nun geht es weiter. Die Brustflosse wird aufgeklebt, ebenso wie der schmale Riegel der oberhalb des Fisches fehlt und der einen Teil der Rückenflosse enthält.

 

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Die Brustflosse lässt sich recht einfach freilegen und selbiges gilt auch für den Bereich der Rückenflosse. Der schmale Grat wird noch nicht freigelegt, denn er wird für den anzusetzenden Stein gebraucht.

 

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Nun wird der Stein oberhalb der Leiste, die stehen geblieben ist, entfernt und die Firstlinie noch einmal mit Akemi unterfüttert. In das Fenster wird schon mal ein Stein eingeklebt um Volumen zu sparen. Gleichzeitig wird ein weiterer Einsetzstein für die rechte untere Ecke der Platte vorbereitet. Nachdem diese eingefügt ist, werden die verbliebenen Partien an den Rändern wo noch Spalten verblieben sind mit Kunstharz aufgefüllt.

 

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Nun wird eine Schablone von der zu füllenden Lücke erstellt. So wie es aussieht ist das Loch aber für die zur Verfügung stehenden Steine zu breit. So bleibt nichts anderes, als das Loch mit zwei Stücken zu flicken.

 

Das erste Stück wird angepasst. Es  werden wieder Türmchen gebaut und dann wird das Stück eingesetzt.

 

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Nachdem dies geschehen ist, kommt das letzte Loch an die Reihe. Die Verfahrensweise ist identisch: Schablone, zuschleifen, Türmchen bauen, einkleben. Danach werden die Kanten verspachtelt und noch in der Platte vorhandene Risse aufgefüllt.

 

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Nun kann die Platte in ihrer Kontur verschliffen werden. Der Stein ist somit fertig und man kann sich wieder dem Fisch zuwenden. Hier müssen nun die Kanten gesetzt und noch vorhandene Klebstoffreste entfernt werden.

 

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Dann erfolgt die vollständige Freilegung des Schädels mit der Freilegung der Augenhöhle. Dadurch erhält das Stück ein zusätzliches Element, welches die Plastizität unterstützt. Die letzten beiden Schritte sind die Anpassung der Klebestellen und die abschließende Versiegelung des Fisches.

 

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Das Endergebnis

Das Ergebnis ist ein recht ordentlich anzusehender Fisch der Art Pholidophorus cf. macrocephalus. Wenn man sich den Umriss des Burschen ansieht, dann fällt einem auf, dass er in der Mitte sehr hoch erscheint. Darin liegt wohl auch der Grund dafür, dass bei diesen Fischen so selten Brust und Genitalflossen überliefert sind. Dies liegt nicht primär an der Erhaltung, sondern vielmehr an der Präparation. Dadurch dass sie leicht abscheren gehen sie schnell verloren.

 

Unter Berücksichtigung der immer sehr kräftigen Geodenbildung (Brotfisch) bleibt der Schluss, dass es sich doch um recht „runde“ Fische gehandelt haben muss. Kalkfällung durch Verwesungsgase führen nur dann zu einer entsprechenden Knolle, wenn zum Einen genug Kalk in Lösung ist und genügend organisches Material vorhanden ist, das verrotten kann.

 

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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Daten

 

Fossil:               Pholidophorus cf. macrocephalus

 

Fundort:           Eichstätter Bruchrevier

 

Größe:              ca. 33 cm

 

Zeitaufwand:    ca. 25 Stunden

 

 

 

Verwendetes Werkzeug

 

PPS 70

 

HW 10

 

Diverse Nadeln

 

Diverse Dentalfräser

 

Und der Bandschleifer Hardo Caravelle hier auch mal im Bild.

 

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Dank:

 

Mein Dank an dieser Stelle gilt O. Schädlich für die Erlaubnis der Nutzung des Maschinenparks im Betrieb und Peter für die Überlassung des unpräparierten Stückes.

 

Bericht für Steinkern.de, alle Rechte beim Autor