Präparation eines Schmelzschuppers aus den Plattenkalken

Es kommt nicht häufig vor, dass jemand mit der Bitte auf einen zukommt, ihm ein Stück zu präparieren, das noch unbeschrieben ist. In diesem Fall handelte es sich um einen noch unbeschriebenen Vertreter der Seminotiden. Eine Gruppe die eng bei Furo Lepidotes & Co. steht.

 

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Ausgangssituation:

Vor Beginn der Präparation liegt ein kleiner ungebrochener Stein von dreieckiger Gestalt vor, der eine Beule in Fischform aufweist. Ganz leicht prägt sich das Fossil durch. Der Körper ist klar zu erkennen, die Flossen nicht. Mit viel Phantasie und noch mehr Erfahrung kann man sie geradeso erahnen. Klar ist lediglich, dass der untere Lobus der Schwanzflosse aus dem Stein herausläuft. Das ist ärgerlich, aber zu ertragbar.

 

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Eine zweite Stelle, wo etwas von dem Fisch zu erkennen ist, liegt oberhalb des Auges. Ein Knochen schaut als kurzer schwarzer Strich aus der Platte.

 

Sondierung:

Vorsichtig wird mit der Nadel getestet, wie sich der Stein verhält. Dasselbe passiert an dem kleinen sichtbaren Knochenstück. Die Substanz ist hart. Wie es aber im Körper wirklich aussieht, das kann niemand sagen.

 

Präparation:

Im folgenden Schritt wird der Fisch nun vorsichtig an der vermuteten Schwanzwurzel angegraben. Das Material ist unangenehm. Mikrolagen die abwechselnd weich und knallhart sind machen nicht viel Spaß. Direkt über dem Fisch eine mehlige Lage und auf jeder Schuppe klebt ein Kalkklecks. Sicherheitshalber wird auf einem weißen Tuch präpariert.  Für den Fall das Teile fliegen sollten (und das werden sie sicher) findet man sie leichter wieder, vorausgesetzt man säubert den Arbeitsplatz regelmäßig. Dies sollte nach Möglichkeit stündlich erfolgen.

 

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Die Substanz des Fisches ist hervorragend überliefert. Es scheint aber so als habe das Schuppenkleid keine innere Bindung. Wenn man es abklopft klingt es hohl. Man kann immer nur ein paar Schuppen freilegen und dann muss gefestigt werden. Dies erfolgt je nach Situation mit Lacken oder verschiedenen Sekundenklebern. So Stochert, kratzt, schabt und stichelt man sich langsam von hinten nach vorne entlang des Objekts. Die Flossen werden dabei nur ansatzweise freigelegt.

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Vorsichtig arbeitet man sich um die vermutete Genitalflosse herum, um sie von vorne kommend auf dem Schuppenkleid liegend freilegen kann. Weiter geht es in Richtung des Kopfes. Auch hier gilt es vorsichtig zu sein. Liegt die linke Brustflosse auf dem Körper oder ist sie nach unten abgewinkelt? Die Antwort findet sich schnell. Sie liegt auf dem Körper und sie ist leicht mazeriert. Ein Saum von Fragmenten liegt über den Körper "geweht". Und immer noch gilt: tränken, fixieren, kleben.

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Mit dem Auffinden der Brustflosse haben wir auch gleichzeitig den hinteren Rand der Kiemendeckel gefunden. Jetzt wird es richtig heikel. Im Schädel sind oftmals hohle Bereiche - so ist es auch hier. Mit dem Erreichen der Schädelhöhle gähnt einen ein Loch an, Substanz ist einfach eingefallen. Zuerst wird vorsichtig fixiert, dann nach dem Austrocknen wird mit einem Sekundenkleber der über eine Kanüle injiziert wird das Volumen aufgefüllt. Nach einer Trockenzeit von einem Tag wird der Vorgang wiederholt, da Sekundenkleber, je dünner er ist, mit dem Abbinden um bis zu 90% Volumen verlieren kann.

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Dem Kiemendeckel nach unten folgend geht es weiter in Richtung Unterkiefer. Zwischendurch wird (die Neugier war nicht mehr zu ertragen) die Rückenflosse weiter freigelegt. Sie wird länger und länger.

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Der Unterkiefer erweist sich als dankbar präparierbar und kompakt. In ihm steckt eine schöne Reihe schwarzer Stiftzähne, wie man sie auch von Macrosemius oder Propterus kennt. Auch der Ansatz der rechten Brustflosse wird gefunden. Sie zeigt nach unten. Das wird dem Stück am Ende zugute kommen.

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Nun geht es an das Schädeldach und die Augenhöhle. Auch die Anal- und Schwanzflosse werden weiter freigelegt. Das Tier gewinnt an Form. Aber auch der Stein verändert sich. An den Flossen wird er kompakter und knatterhart. Die Flossen bis in die Spitzen freizulegen wird mit Sicherheit noch ein großer "Spaß".

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Im nächsten Schritt kümmere ich mich um die Schädelhöhle. Vorsichtig wird umgebendes Gestein abgetragen, um den Ausguss möglichst ideal zu erhalten, was gut gelingt. Dadurch, dass die implodierten Knochenteile in dem Loch gelegen haben, schimmert es schwarz von unten durch, was eine Coloration erspart.

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Nun geht es an die Reinigung des Fisches. Von hinten nach vorne arbeite ich mich sektionsweise voran. Die Zebrastreifen sind in dem Falle gewollt, da so besser der Zeitaufwand dokumentiert werden kann und zum anderen verliert man nicht so schnell die Nerven.

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Jedes der geputzten Felder verschlingt etwas über eine Stunde, es geht zügig voran. Dennoch sollte man die Anstrengung nicht unterschätzen um jede Schuppe einzeln auf der Fläche zu putzen und dann auch noch einmal Drumherum zu gehen um auch Ihren Umriss sauber darzustellen.

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Nun enpuppt sich der optische Einfluss der verdrifteten Flossenstrahlen als unvorteilhaft. Sie stören erheblich. Das Stück kommt irgendwie nicht zur Ruhe. Ich entschließe mich die Gerölle von Schuppen und Kiemendeckel zu entfernen.

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Der Erfolg gibt Recht. Das Fossil ist zur Ruhe gekommen und wirkt viel erhabener, mehr von innen heraus. Nun gilt es noch die Augenhöhle besser darzustellen und die Zähne zu putzen, von denen im Oberkiefer nur an der Kieferspitze welche zu sehen sind. Der Rest ist durch Knochenplatten verdeckt, die die Mundhöhle seitlich begrenzen. Am Ende sieht der Zebrafisch doch sehr nett aus, allerdings meinte die Finderin ob das wirklich mein Ernst sei. Nun, für meine Sammlung hätte ich es als Gag wahrscheinlich sogar so gelassen.

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Nun werden die Flossen endgültig freigelegt. Einfach gesagt, schwer getan. Die Flossenstrahlen kleben umso mehr an der abzutragenden Schicht, je weiter man sich den Spitzen nähert. Permanentes fixieren mit Sekundenkleber kann nicht verhindern, dass doch Teile verloren gehen. Dennoch halten sich die Verluste in Grenzen.

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Weiter geht es mit den Putzarbeiten. Die stehen gelassenen weißen Streifen werden einer nach dem anderen entfernt. Dadurch intensiviert sich der Kontrast erheblich.

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Das fertige Stück, ein echter Knaller!

 

Daten:

Fossil: ein unbeschriebener Knochenganoide

Fundort: Solnhofener Plattenkalke

Größe: 17,5 cm

Sammlung: Privat

Zeitaufwand: ca. 45 Stunden

 

Verwendete Werkzeuge und Mittel:

 

HW 10

CP710

Atlas Copco

Dentalfräser, diverse

Diamantfräser, diverse

Nadeln in verschiedenen Härten und Klingenformen

Zaponlack

Mowilith

3 verschiedene Sekundenkleber

 


Bericht für Steinkern.de, alle Rechte beim Autor