Nachpräparation eines Fisches der Gattung Ionoscopus aus den Plattenkalken von Daiting

Vor einiger Zeit erhielt ich aus der ehemaligen Kollektion meines (leider viel zu früh verstorbenen ) Sammlerkollegen Peter Bürger (Bad Hersfeld) einen ca. 15 cm langen, seltenen Knochenfisch der Gattung „Ionoscopus“. Dieser befand sich allerdings in einem ziemlich desolaten Zustand.

Peter hatte ich – soweit ich mich erinnere – zufällig vor etlichen Jahren auf einer Fossilienbörse getroffen, wo er mir unentwegt etwas von der reichhaltigen fossilen Fauna und Flora seines geliebten Kupferschiefers im Richelsdorfer Gebirge vorschwärmte. Wir verabredeten uns zu einigen Exkursionen in „seinem“ Revier, das in der Gegend von Bauhaus und Sontra (Hessen) liegt. Seine riesige Lieblingshalde stellten wir buchstäblich auf den Kopf, ohne mehr als ein paar unvollständige „Kupferschieferheringe“ (Palaeoniscum freieslebeni) von eher mäßiger Qualität zu finden.

Seine Gegenbesuche bei mir ließen uns damalige Straßenbauarbeiten im Raum Bad Sachsa, Tettenborn usw. aufsuchen, wo Kupferschiefer aufgeschlossen war. Die Fundausbeute war erheblich höher und von besserer Qualität, ohne wirkliche Raritäten zu entdecken. Trotzdem grummelte der gute Peter immer wieder vor sich hin, wobei das Wort „Richelsdorf“ wiederholt zu vernehmen war. Na ja, dort war er eben der „Platzhirsch“ – klar. Nebenbei bemerkt, haben wir später an den o. g. Fundstellen etliche hervorragende Fossilien gefunden, darunter auch spektakuläre Raritäten. Da war der gute Peter aber nicht mehr dabei, da er es vorzog, nun doch wieder in seinem geliebten Richelsdorfer Gebirge zu graben.

Bei einem Besuch bei mir zu Hause besah er sich einige Stücke aus meiner Solnhofensammlung (ich sammelte damals noch „querbeet“) und bekundete starkes Interesse, auch einmal in diesem Sammelgebiet tätig zu werden. Das gefiel ihm offensichtlich. Diese Tatsache ist umso bemerkenswerter, als Peter Bürger danach über einen langen Zeitraum eine spektakuläre Plattenkalksammlung aufgebaut hat, die mit seltenen Raritäten in meist herausragender Qualität nur so gespickt war. Soweit zur Vorgeschichte.

Doch nun zurück zum Ionoscopus, dessen grobe Präparation doch etwas zu wünschen übrig ließ.

 

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Abb. 1: Der Ionoscopus in seinem ursprünglichen Zustand.

 

Zunächst musste eine dicke Lackschicht, mit der der Fisch überzogen war, mit Aceton entfernt werden. Im folgenden Arbeitsschritt wurden die Risse und Fugen entlang der Matrix mit AKEMI-Steinkleber (Juragelb) verfüllt und abgeschliffen. Anschließend erfolgte die Feinpräparation unter dem Binokular, wo ich mit Vibrograv, Skalpell und feinen Nadeln den unter einer hauchdünnen Steinschicht liegenden Bauchlappen freilegen konnte. Nach Abschluss dieser Arbeiten zeigte der Fisch den für die Gattung Ionoscopus typischen gedrungenen Habitus. Als nächstes wurde das Fossil mit feinen Diamantscheiben und Fräsern möglichst nah an den Konturen formatiert. Nachdem ich sehr vorsichtig versucht hatte, die Rückseite plan zu schleifen (sehr heikel – es ging nicht ohne Bruch vonstatten), ergänzte ich den oberen fehlenden Schwanzlobus auf einem separaten Ansatzstein.

 

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Abb. 2: Formatiertes, nachpräpariertes und an den Rändern plan geschliffenes Exponat.

 

Nun ging es darum, eine attraktive Einsetzplatte zu finden, um den recht seltenen Fisch optisch ansprechend präsentieren zu können. Dazu suchte ich Roland Pöschl vom Besuchersteinbruch in Mühlheim auf, da die Beschaffenheit der Mühlheimer Platten denen von Daiting sehr ähnelt.

Roland stellte mir ein paar Auswahlplatten kostenlos zur Verfügung und gab mir dazu noch einige hilfreiche Tipps für die anstehende Einsetzarbeit. Ich muss zugeben, dass ich seinen gut gemeinten Ratschlägen anfangs ziemlich skeptisch gegenüber stand, zumal ich bei der von ihm vorgeschlagenen Methode schon einmal sehr böse Überraschungen erlebt habe. Die vorgeschlagene Vorgehensweise besteht darin, den Umriss des einzusetzenden Fossils auf die Platte zu übertragen, diese entsprechend auszuhöhlen, um das Fossil – möglichst exakt austariert – in den entstandenen Hohlraum einzusetzen.

Eben diese Vorgehensweise habe ich einmal bei einem unpräparierten Dapedium aus dem Lias epsilon angewendet, nachdem mir ein bekannter Fossilienhändler und hervorragender Präparator (R. Wald, Usingen) diese Methode drastisch empfohlen hatte. „Es muss richtig schmatzen und saugen“ – so seine Worte. In der Tat: Es schmatzte und saugte gewaltig, als ich den armen Fisch mittels Zwei-Komponentenkleber (Kunstharz) in eine Fleinsplatte einsetzte. Leider schmatzte und saugte es anders, als ich mir das vorgestellt hatte: Innerhalb kürzester Zeit war das Fossil mit einer steinharten Klebemasse überzogen, die sich partout nicht mehr entfernen ließ. Ein Super-Gau eben, der wohl an einem falschen Mischverhältnis des Klebers lag. Geprägt durch diese traumatische Erfahrung, habe ich seither beim Einsetzen immer eine andere, recht aufwändige Methode bevorzugt, die auch meistens recht passable Ergebnisse zeigte, vgl.: https://www.steinkern.de/praeparation-und-bergung/solnhofener-plattenkalke/756-die-praeparation-eines-aspidorhynchus-acutirostris.html )

 

Nach diesem kleinen Exkurs wieder zurück zur Präparation des Ionoscopus.

 

Mittels einer Schablone wurde der Umriss des Fisches auf die ausgewählte und von mir grob bearbeitete (zwicken, sägen) Einsetzplatte übertragen.

 

Umrisszeichnung

Abb. 3: Umrisszeichnung auf der Einsetzplatte.

 

Es folgte die staubige Arbeit des Ausfräsens per Vibrograv und mit verschiedenen Diamantwerkezeugen, bis das Fossil in der Höhe möglichst korrekt austariert in die entstandene Hohlform eingepasst werden konnte. Mit AKEMI-Steinkleber (Juragelb) und AKEMI-Weißpaste (zur Farbangleichung) erfolgte die Fixierung mit anschließendem Verschleifen der Kanten. Abschließend wurde der obere Schwanzlobus farblich grob angepasst.

 

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Abb. 4: Gesamtansicht des Fisches auf der neuen Matrix.

 

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Abb. 5: Detailansicht des eingesetzten Fisches. Foto vergrößern.

 

Danach erfolgte noch eine Nachpräparation unter dem Binokular, die noch einmal einige Details hervorbrachte.

 

Streiflicht

Abb. 6: Nach etlichen Stunden Nachrpäparation unter dem Binokular hat der Fisch noch einmal Details hinzugewonnen - im Streiflicht treten die Konturen besonders plastisch hervor. Foto vergrößern.

 

Ich denke, dass sich der Arbeitsaufwand gelohnt hat und das Fossil besser zur Geltung kommt als zuvor.

 

Fossil: Ionoscopus sp., Malm zeta, Daiting, 15 cm, Sammlung: Falk Starke

Präparationsdauer: ca. 19 Stunden

Verwendete Werkzeuge: Binokular, Hängemotor, Diamantwerkzeuge, Trennscheiben, Vibrograv, Schaber, Nadeln, Hammer, Zange, AKEMI-Steinkitt, AKEMI-Farbpaste

 

Fotos und Bericht: Falk Starke für Steinkern.de