Für Sammelanfänger

Stratigraphie mit STD2002 und Litholex

Als Einsteiger wird man mit einer Vielzahl zunächst verwirrender Begriffe aus der Stratigraphie konfrontiert. Die Stratigraphie ist die Lehre von der Schichtabfolge. Dabei geht es darum, Gesteinspakete zu ordnen und zu identifizieren. Ist ein Gesteinspaket in einem Aufschluss jünger oder älter als ein anderes? Innerhalb eines Aufschlusses sind zwar (meistens) die weiter unten liegenden Sedimente älter, aber wie sieht es mit Aufschlüssen aus, in denen die Schichten kompliziert gefaltet oder überkippt sind, so dass man nicht mehr auf Anhieb erkennt, wo oben und wo unten ist? Es gibt verschiedene Methoden zu bestimmen, ob ein Gesteinspaket älter oder jünger als ein anderes ist (z. B. anhand von Leitfossilien) und auch das absolute Alter kann mit modernen Methoden näherungsweise ermittelt werden (Link zur absoluten Altersdatierung). Den Gesteinsschichten wurden im Laufe der Zeit Namen gegeben, die oft nur lokale Bedeutung hatten. Bei der Vereinheitlichung der Bezeichnungen wurden viele althergebrachte Bezeichnungen revidiert. Diese veralteten Bezeichnungen finden sich aber oft noch in der Literatur. Um sich einen Überblick über die Bezeichnungen der Schichten zu verschaffen, gibt es ein paar interessante kostenfreie Quellen im Internet.

 

Zuerst wäre da die "Stratigraphische Tabelle von Deutschland STD 2002" der deutschen stratigraphischen Kommission zu nennen. Das ist ein umfangreiches PDF, in dem die wichtigsten Bezeichnungen in einer Übersicht dargestellt werden. Die Datei kann hier heruntergeladen werden: http://www.stratigraphie.de/std/index.html

Der folgende Ausschnitt zeigt die Kreide. Von links beginnend, sieht man auf einen Blick, dass die Kreide in Oberkreide und Unterkreide aufgeteilt wird. Der oberste Abschnitt der Oberkreide wird als Maastrichtium bezeichnet. Dann folgt die von dem Abschnitt umfasste Zeitspanne (6,3 Millionen Jahre) und man kann Anfang und Ende des Maastrichtiums an der Skala ablesen. Es folgen rechts daneben die lokalen Bezeichnungen der Schichten und deren Reichweite. Unter "Münsterland" steht beispielsweise als erstes "Baumberge-Schichten" auf Höhe des Campaniums. Der Bereich darüber auf der Höhe des Maastrichtiums ist grau. Das bedeutet, dass im Münsterland keine Sedimente aus dem Maastrichtium abgelagert sind. Die jüngsten Kreideschichten des Münsterlandes sind also die Baumberge-Schichten im Campanium. Es ist sinnvoll, sich mit den Begriffen für sein Sammelgebiet vertraut zu machen und auch gleichaltrige Schichten in anderen Regionen zu kennen, um sich in der Literatur zurecht zu finden.

 

STD2002 Ausschnitt

Quelle: http://www.stratigraphie.de/std/index.html

 

Zu der Karte gibt es einen Index (Link: http://www.stratigraphie.de/std/STD_index.pdf) mit wesentlich mehr Schichtbezeichnungen. In der linken Spalte findet sich das Alter, damit kann man in der Karte schnell nach anderen Bezeichnungen suchen, die man eventuell schon kennt.

 

Index STD2002

Quelle: http://www.stratigraphie.de/std/STD_index.pdf

 

Es geht noch ausführlicher. Im Lithostratigraphischen Lexikon "Litholex" erfährt man deutlich mehr zu einer Schichtbezeichnung. Link zu Litholex: http://litholex.bgr.de

 

Der Einstieg besteht aus einer Suchmaske. Das Feld "Freie Suche" ist eine Volltextsuche in allen vorhandenen Datensätzen und fördert auch exotische Bezeichnungen zu Tage. Unter "Erweiterte Suche" kann man zum Beispiel das Suchraster auf eine bestimmte "Subkommission" einschränken. Subkommissionen sind Gruppen von Wissenschaftlern, die sich um ein Erdzeitalter "kümmern". Wenn man also die "Subkommission Devon" auswählt, bekommt man nur Begriffe aus dem Devon zu sehen.

 

 

Litholex 1

Quelle: Screenshot von Litholex.de

 

Nach Auswahl eines Begriffes wird dieser ausführlich erklärt. Auch hier muss man sich erst einmal einlesen. Die Suche liefert viele interessante Informationen, die beim Verständnis von Literatur hilfreich sind, da diese Fakten oft beim Leser als bekannt vorausgesetzt und nicht jedesmal erklärt werden.

 

 

Litholex 2

Quelle: Screenshot von Litholex.de

 

Im Zuge der weltweiten Vereinheitlichung von Bezeichnungen ist der "aktuelle" Stand zwar stets sehr schnell wieder veraltet, aber trotzdem bleiben die alten Begriffe in der bereits veröffentlichten Literatur unverändert. Aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen erfolgen zwar fast nur noch in englischer Sprache, aber auch in diesen werden die Formationsbezeichnungen benutzt. Die STD2002 und Litholoex sind nicht immer auf dem neusten Stand, da die beteiligten Wissenschaftler in den einzelnen Subkommissionen unterschiedlich aktiv sind, aber trotzdem sind es sehr nützliche Internetseiten.

 

Thomas Magiera für Steinkern.de