Für Sammelanfänger

Nützliche Ausrüstungsgegenstände und Hinweise für Einsteiger

 

Die Frage, welche Ausrüstungsgegenstände für die Fossiliensuche und Präparation gebraucht werden, ist eine der am häufigsten gestellten im Steinkern-Forum. Auf Touren mit Einsteigern habe ich oft erlebt, dass bei anderen Sammlern im Einsatz beobachtete nützliche Gegenstände gerne - ab der nächsten Tour - ins Portfolio übernommen wurden. In diesem Artikel möchte ich ein paar Anregungen für Einsteiger geben. Natürlich kann ich in einem Artikel nicht jedes Thema umfassend behandeln. Aber mit den hier gegebenen Stichwörtern kann man dann im Forum oder hier auf der Homepage weitersuchen und vertiefende Beiträge leichter finden. Die Links im Artikel führen zu (hoffentlich permanenten) Bezugsquellen, meistens eBay. Weitere / andere Bezugsquellen aufzutun obliegt der eigenen Recherche. Wenn man den Links folgt, bekommt man auch eine Vorstellung, was zum Beispiel mit einem "Werkstattschoner" überhaupt gemeint ist, also ruhig mal dem einen oder anderen Link nachgehen.

 

 

Vorbereitung auf die Exkursion

Als es noch kein Internet und kein GPS gab, war die Suche nach Aufschlüssen eine mühselige und zeitraubende Angelegenheit, die oft ohne Funde und mit ziemlich leerem Benzintank endete. Um dies zu verhindern, ist es sehr wichtig, sich auf eine Sammeltour gut vorzubereiten. Zuerst sollte man genau klären, wo sich ein Aufschluss befindet und wie er zugänglich ist. Im Forum von Steinkern, auf unserer Homepage und in unserer Zeitschrift finden sich oft Hinweise, wie ein Steinbruch zugänglich ist und ob bzw. wo man eine Zutrittsgenehmigung bekommen kann.

Anschließend dann kann man sich mit dem kostenfreien Google Earth einen schönen Überblick verschaffen, wo der Aufschluss liegt. Das ist ein digitaler Globus, der mit hochauflösenden Satellitenkarten ausgestattet ist, so dass sich Fundstellen und Exkursionsziele gut im Vorfeld einer Exkursion auskundschaften lassen.

 

Google-Earth

 

Es ist sinnvoll, sich in Goolge Earth eine "Ortsmarkierung" (das gelbe Pin-Symbol oben links in der Symbolleiste) an dem geplanten Parkplatz zu setzen und vor dem Beenden des Programms unter "Datei\Speichern\Meine Orte Speichern" zu sichern. So bekommt man im Laufe der Zeit eine Sammlung aller bekannten Fundpunkte. Klickt man mit der rechten Maustaste auf das Pin-Symbol und dann auf "Eigenschaften", bekommt man die GPS-Koordinaten des Fundpunkes ausgegeben, dazu gleich mehr.

 

Darüber hinaus sollte man sich gute Literatur über die Fundstelle besorgen und auch kurz vor der Exkursion noch mal das Wichtigste lesen. Wo sind die interessanten Schichten? Es ist nicht so einfach, in einem riesigen Steinbruch eine beispielsweise 30 cm starke Schicht mit Fossilien zu finden, besonders wenn die restlichen 50 Höhenmeter weitestgehend fossilleer sind. Also am besten aufschreiben, wo man genau suchen möchte. Es macht unter Umständen Sinn ein Tagebuch zu führen, um auch noch Jahre später die Bedingungen rekonstruieren zu können.

Leider ist es manchmal nicht einfach, gute Bücher zu einer Fundstelle zu bekommen, oft sind die Auflagen seit Jahren vergriffen. Da hilft dann die Suche in den "Internet-Antiquariaten" eBay, Amazon, ZVAB und Abebooks. In der Rubrik Literatur im Forum finden sich auch einige Hinweise auf kostenfrei zugängliche Informationen. Geologische Karten sind zwar interessant, aber oft nicht genau genug. Interessant können die Erläuterungen zu den geologischen Karten sein. Bei den Karten im Maßstab 1:25.000 finden sich oft gute Informationen zu vorhandenen Aufschlüssen.

Auch sollte man versuchen, herauszubekommen, wie die Fossilien in dem Aufschluss aussehen. Dies klingt trivial, aber oft haben die präparierten Stücke, die man in Sammlungen und in der Literatur sieht, wenig mit dem Aussehen der unpräparierten Stücke im Aufschluss gemein und man übersieht daher die Fossilien im Gelände.

Falls im Vorfeld keine Informationen zu einem Aufschluss zu bekommen sind, dann kann man immer noch in Google Earth aus der Vogelperspektive mehrere benachbarte Aufschlüsse suchen und sich einfach mal einen Tag in der Gegend umsehen. Die Koordinaten sollte man in jedem Fall festhalten. Es ist unglaublich, wie schnell auch große Steinbrüche zuwachsen und somit beinahe unsichtbar werden. Wenn gar nichts geht, hilft es mitunter nur noch die Einheimischen nach kleinen alten Steinbrüchen und Baustellen fragen. Das kostet aber auch viel Zeit und endet nur selten erfolgreich. Aber auch diese Art der Fundstellensuche ist spannend und hat ihren Reiz, man weiß nie, was man findet und unternimmt oft längere Wanderungen durch unwegsames Gelände. Die Bilder aus Google Earth sind oft bereits ein paar Jahre alt und alte überwucherte Steinbrüche oft nicht auf Anhieb erkennbar bzw. nur wenn man sehr nah heranzoomt.

Wenn die Koordinaten des Ziels bekannt sind, sollte man sie auf ein GPS-Gerät übertragen. Davon gibt es grob drei Klassen: Handys mit GPS, GPS-Geräte für Wanderer, Navigationsgeräte fürs Auto. Alle drei bringen einen ans Ziel, aber die Stromversorgung über ein Kabel zum Zigarettenanzünder und eine gute Halterung fürs Auto sind wichtig. Die Unterschiede liegen im Detail: Handys und Geräte fürs Auto sind ohne Stromquelle mit eingeschaltetem GPS oft schnell  leer. Was das anbelangt, sind die kleinen Wandergeräte, z. B. Garmin eTrex mit Laufzeiten von 12 Stunden mit einem Satz Batterien besser und diese sind auch wasserdicht. Die Wandergeräte haben aber nur einen kleinen Bildschirm und meistens keine Sprachausgabe. Bei den Geräten fürs Auto würde ich die von Garmin empfehlen. Man kann kostenfreie Open-Streetmap Karten installieren, wenn man mal in Übersee unterwegs ist und Koordinaten direkt eingeben. Ich klebe mir die Saugnapfhalterung nicht mehr an die Scheibe, weil ich die Geräte ungern im Blickfeld habe und sie dort einen runden Fleck auf dem Glas hinterlassen. Man bekommt für ein paar Euro runde "Klebeplatten" zum Aufkleben im Auto, dabei sollte man auf den Durchmesser des Saugfußes achten, der unterschiedlich ausfallen kann.

 

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Ein Satz Gummimatten im Auto ist sehr nützlich. Die gibt es bei ebay für alle Autotypen. Trotzdem würde ich immer die Schuhe wechseln und ein Paar saubere und bequeme Schuhe für lange Anfahrten einpacken. Dies ist auch sinnvoll, wenn man noch einen Sammler besuchen möchte oder ein lokales Museum entdeckt. Da kommen die verschlammten Stiefel nicht so gut an. Für den Kofferraum gibt es passend für jedes Modell Kofferraumwannen. Für die Sitze sind Werkstattschoner sehr praktisch, die man ebenfalls über ebay bekommen kann. Falls man die Rückbank nutzen möchte, leistet eine alte Decke oder stabile Plastikfolie aus dem Baumarkt gute Dienste. So geschützt, wird aus dem Auto nicht unbedingt unumkehrbar ein "Sammlerfahrzeug". :)

 

 

Einpacken

 

Es macht Sinn, sich einen fertig gepackten Rucksack in die Ecke zu stellen, dann vergisst man nichts. Die modernen Wanderrucksäcke haben zu wenig Volumen, sind zu schmal und haben zu viele Gurte. Viele Sammler nutzen zum Beispiel Armeerucksäcke. Was man einpackt, ist abhängig vom Wetter, den Anforderungen des Fundorts und den eigenen Sammelgewohnheiten.

 

Ich habe mir angewöhnt morgens vor der Abfahrt einen kurzen Blick auf das Regenradar zu werfen: www.Meteox.de Dort sieht man in einer Animation den Regen, nicht die Wolken. Je dunkler blau, desto mehr Regen. Wenn es darin rote Bereiche gibt, handelt es sich um Starkregen, der in Deutschland z. B. im Sommer dieses Jahres öfter vorkam. Man sieht was in den letzten Stunden passiert ist und kann in etwa abschätzen, was die nächten Stunden im Zielgebiet zu erwarten ist. Eine Änderung des geplanten Ziels kann notwendig werden. Nach und während starker Regenfälle sind bestimmte Aufschlüsse zu gefährlich oder stehen unter Wasser und sollten gemieden werden. In anderen Aufschlüssen haben starke Regenfälle eventuell neue Funde freigelegt und sind dann besonders lohnende Ziele.  

 

 

- Regenhose
Bei Regen und auch bei nassen schlammigen Aufschlüssen sehr sinnvoll. Die Regenhosen von HEMA zum Beispiel sind günstig und nehmen nicht viel Platz weg.

 

- Regenjacke für den kurzen Schauer.

 

- Sonnenschutz, wasserfest.

 

- Mückenspray, eine Zeckenschutzimpfung ist übrigens auch ratsam.

 

- Schuhwärmer im Winter.

 

- Eine Klappkiste aus dem Baumarkt und Zeitungspapier zum Einwickeln, falls es doch mal mehr Funde gibt.

 

- Ein kleiner Verbandskasten kann nicht schaden, den wird man irgendwann brauchen. Egal ob man sich an einer scharfen Kante einen Schnitt zugefügt hat oder ein Splitter durch die Haut gedrungen ist und es heftig blutet.

 

- Dosen für Obst und sonstige Verpflegung.

 

- Eine Wasserflasche. Im Sommer auch gerne eine Flasche mehr. Auch zum Waschen nützlich.

 

- Dose mit Waschlappen. Wenn man sich mal wieder total eingesaut hat und die Mischung aus Sonnencreme, Staub und Schweiß nicht herunter bekommt, dann ist ein kalter nasser Waschlappen wirklich angenehm vor einer langen Rückfahrt.

 

- Eine brauchbare Digitalkamera mit Makro-Modus und geladenem Akku. Dazu eine stabile und wasserfeste Hülle.

 

- Eine Alternative zur Digitalkamera ist ein Smartphone mit brauchbarer Kamera. Auch das sollte vor Nässe, Staub und Stößen gut geschützt werden. Da ein Smartphone auch als GPS, Notizbuch, für Absprachen mit anderen Sammlern und für Hilferufe bei Unfällen gut ist, sollte es immer dabei sein. Durch die großen Bildschirme und die vielen Funktionen ist der Akku allerdings schnell leer. Das Gerät sollte also vorher geladen werden. Wenn man merkt, dass nur noch wenig Ladung im Akku ist, dann kann man das Gerät komplett ausschalten. Zwar ist man dann nicht mehr erreichbar, aber man kann es im Bedarfsfall noch tagelang kurz nutzen.

 

- Ein Bergsteigerhelm oder ein Bauhelm mit Kinnriemen. Der Kinnriemen ist wichtig. Wenn man eine Halde herunter stürzt, kommt der Helm sonst vor einem unten an, dann nützt er nichts. Viele Steinbrüche darf man ohne Helm nicht betreten.

 

- Eine Lupe. Bei ebay gibt es günstige Einschlaglupen aus Plastik. Die rosten nicht und es ist nicht so ärgerlich, wenn man sie mal verliert.

 

- Sekundenkleber. Damit können brüchige Funde vor Ort stabilisiert werden.

 

- Eine Schutzbrille, falls man sehr splittriges bzw. hartes Material zerlegen möchte.

 

- Warnweste. Viele Steinbrüche darf man nicht ohne Warnweste betreten. Im "Notfall" einfach die zum Mitführen im Auto vorgeschriebene Warnweste nehmen.

 

Dann stelle ich mir eine Plastikkiste mit der restlichen Ausrüstung ins Auto. Auch die steht vorbereitet im Keller. Je nach Aufschluss wandern ein paar Teile hinein oder heraus.

 

- Hammer. Am besten ein ordentlicher Geologenhammer von Estwing. Die halten bei pfeglicher Behandlung ein Leben lang. Hier ist ein auffällig gefärbter Griff sinnvoll, da man den Hammer gelegentlich zur Seite legt, um einen Stein in die Hand zu nehmen und erst nach ein paar Schritten merkt, dass man ihn vergessen hat. Bei einem roten oder hellblauen Griff reicht dann meistens Aufrichten und Umsehen, um den Hammer zu orten. Ich hatte mal kurz einen Hammer mit grauem Griff von Forgekraft, eine chinesische Marke, da war es mühselig ihn im Gelände wiederzufinden. Zum Glück hat sich dieser graue Vinylgriff nach ein paar Exkursionen gelöst und ich konnte den Hammer umtauschen.

Der Hammer sollte aus einem Stück geschmiedet sein und zu seinem Besitzer passen. Ein langer Stiel und hohes Gewicht des Kopfes ergeben zwar viel Durchschlagskraft, erfordern aber eine entsprechende Konstitution. Der klassische Geologenhammer ist ein "Pickhammer" mit einer Spitze. Dieser ist sehr praktisch zum Graben, Hebeln und Aufschlagen. Die Spitze ist sehr stabil und hält hunderttausende von Schlägen auf hartes Gestein aus, aber man sollte es auch nicht übertreiben. Bei schrägen Schlägen mit der Seite der Spitze auf sehr hartes Gestein oder bei extremen Hebelaktionen kann auch dieser sehr wiederstandsfähige Stahl beschädigt werden.   
   

- Nageltasche. An dieser kann der Hammer befestigt werden und Kleinfunde darin verstaut werden.

 

- Fäustel. Einen Fäustel (ggf. in Kombination mit Meißeln) mitzuführen, macht meist nur Sinn, wenn an der Fundstelle massive Bänke im anstehenden Gestein oder große lose Brocken zu zerlegen sind.

 

- Spitzhacke. Entweder ein leichtes Armeemodell oder ein massives Modell je nach Aufschluss. Für den Einsatz beim Fossilien sammeln geeignete Spitzhacken unterschiedlicher Gewichtsklassen gibt es in jedem Baumarkt zu kaufen.

 

- Meißel. Ein Handschutz hilft, Verletzungen zu vermeiden. Für lagenweise spaltbares Material wie Schiefer und Plattenkalke empfiehlt sich ein Meißel mit flacher Schneide, sonst ist oft ein Spitzmeißel geeigneter. Auch hier ist eine auffälige Farbe sinnvoll, da Meißel leicht verloren gehen. In einem aktiven Steinbruch sollte man niemals einen Hammer oder Meißel verlieren oder entsorgen. Wenn diese harten Gegenstände in die Brecher geraten, kann die Reparatur sehr teuer werden und die Schuldigen sind immer alle Fossiliensammler, die den Steinbruch im schlimmsten Fall dann zukünftig nicht mehr betreten dürfen.

 

- Spaltlederhandschuhe. Auch damit können Verletzungen verhindert oder zumindest reduziert werden. Man sollte bei Google nach "Arbeitshandschuhe schadstoffgeprüft" suchen. Die billigen Handschuhe aus dem Baumarkt riechen schon nach giftigen Chemikalien, die Allergien auslösen können und die zu Tragen auch sonst bestimmt nicht gesund ist.

 

- Kleinteileboxen. Sie eignen sich, Funde so zu verstauen, dass sie nicht verloren gehen oder sich gegenseitig durch Aneinanderstoßen beim Transport beschädigen.

 

- Ein paar Plastiktüten mit Druckverschluss für loses Material und stabile Kleinteile.

 

- Zeitungspapier. Die schweren Funde kommen nach unten in die Kiste und sollten eingeschlagen werden, damit kleinere Funde nicht beschädigt werden.

 

- Genug zu trinken, besonders im Sommer.

 

- Eine Bürste. Gelegentlich ist es sinnvoll, bereits im Aufschluss Stücke im Wasser abzubürsten, um zu prüfen, ob das Mitnehmen lohnt. Eine alte Nagelbürste ist gut geeignet. Um beim Graben größere Flächen zu säubern kann eine größere Wurzelbürste oder gar ein Besen mit harten Plastikborsten hilfreich sein.

 

- Selbstaufblasendes Sitzkissen. Bei ebay unter dem Stichwort "Sitzkissen selbstaufblasbar" leicht zu finden. Dieses ist praktisch, wenn man den ganzen Tag auf dem Boden nach Kleinfossilien sucht oder ein Loch graben muss.

 

- Siebe. Wenn man zum Beipiel Haizähne im Sand suchen möchte. Viele Sammler bauen sich ihre Siebe selber. Ich habe mir von IKEA die "Dokument"-Briefablage gekauft. Diese eignet sich für kleinere Materialmengen durchaus gut als Sieb, ist günstig und ziemlich resistent gegen Rost.

 

- Regenschirm. Ein günstiger Schirm kann bei drohendem Platzregen sehr nützlich sein.



- Sonnenschirm. Bei der letzten Steinkern-Exkursion in Sengenthal waren einige Sonnenschirme im Einsatz. In sommerlicher Mittagshitze ist dies sicherlich sinnvoll. Entweder für eine Pause, oder auch um die Fundstelle zu beschatten, wenn man sich beim Graben bzw. Aufklopfen von Gestein länger an einer Stelle aufhält. Es reicht ein günstiges Baumarktmodell und man sollte sich Gedanken machen, wie man den Schirm im Boden verankert.



- Einkaufswagen oder Schubkarre. Wenn der Aufschluss für Räder geeignet ist und eventuell größere Funde über eine weite Strecke zum Auto transportiert werden müssen, dann kann eine Schubkarre oder ein sonstiger Transportwagen sehr nützlich sein.

 

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Bekleidung

Die Bekleidung sollte man der Jahreszeit anpassen und jeder muss für sich entscheiden, was für ihn das Richtige ist. Dem einen wird schnell kalt und er möchte nicht nass werden, dem anderen ist das völlig egal.

Stiefel sind meistens besser als Schuhe, da man damit auch mal durch tiefere Pfützen laufen kann. Sie sollten ein ordentliches Profil haben. Eine Stahlkappe vorne ist sinnvoll, um Verletzungen vorzubeugen. Für den Winter gibt es gefütterte Stiefel. Solche Stiefel bekommt man bei Lieferanten für Arbeitsbekleidung für unter 20 Euro. Im Baumarkt gibt es sogenmannte Stiefelsocken, die halten schön warm und angenehm zu tragen, wenn es kühler wird. Die Stiefel sollte man in eine große und stabile Plastiktüte packen, damit man den Dreck nicht im Kofferraum verteilt.

Chemische Schuhwärmer sind eine geniale Erfindung. Wenn man stundenlang auf fast gefrorenem Boden steht, dann werden die Füße kalt, egal wie dick die Socken sind. Mit den Schuhwärmern hat man für mindestens fünf Stunden eine Wärmequelle im Schuh, sehr praktisch.

Man sollte immer mit einer langen Hose sammeln. Eine Jeans hält einiges aus und verhindert Kratzer, die eine teure Outdoorhose nicht verhindern kann. Stabile Arbeitshosen aus dem Bedarf für Arbeitsbekleidung sind auch beliebt. Die Outdoorhosen trocknen schneller und sind bei Hitze angenehmer. Auch kann man manche Ausführungen mal eben durch das Abnehmen der Beine in kurze Hosen umwandeln und die mitunter vielen Taschen sind auch praktisch.

Wenn es morgens kühl und mittags warm ist, dann sollte man möglichst mehrschichtige Bekleidung wählen, zum Beispiel Pullover und T-Shirt. Eine Mütze hilft im Sommer gegen Hitzschlag und sollte daher gute Belüftungsschlitze haben. Mit einer Schirmmütze hat man die Sonne nicht in den Augen und man sieht die Fossilien besser. Im Sommer ist auch eine Sonnenbrille hilfreich, besonders in hellen Kalksteinbrüchen, wo man ohne eine solche schon mal schneeblind wird.

Viele Sammler bekommen Probleme mit dem Rücken. Man bückt sich den ganzen Tag, schwitzt am Rücken, wird kalt und der Ärger ist vorprogrammiert. Für ein paar Euro gibt es bei ebay Nierengurte, die Abhilfe schaffen.

Wer bei Temperaturen unter 10 Grad sammeln möchte, sollte sich entsprechende Winterbekleidung zulegen: Ski-Unterwäsche, gefütterte Stiefel, eine gefütterte Mütze, chemische Schuhwärmer. Eine Thermosflasche für warme Getränke ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

Auch wenn es selten vorkommt: ein paar Reserveklamotten im Kofferraum können den Tag retten. Wenn man mal richtig nass geworden ist, kann es nach kurzer Pause zum Umziehen weiter gehen.



 

Reinigung

Die Ausrüstung sollte nach der Tour - wenn notwendig - gereinigt werden. Den Hammer und andere Metallteile sollte man nach dem Abwaschen trocknen und leicht einölen, sonst rosten sie.

Für die Reinigung der Funde reichen für den Anfang eine alte Schüssel und ein paar Bürsten. Ein Wasseranschluss im Keller ist sehr hilfreich. Für ein paar Euro gibt es im Baumarkt Brauseköpfe für den Schlauch, damit das Wasser nicht permanent läuft. Immer in der Schüssel reinigen. Der Dreck setzt sich so am Schüsselboden ab und verstopft den Abfluss nicht. Am Ende kann man den Bodensatz in Garten oder Mülleimer entsorgen oder nach Kleinfossilien durchsuchen.

Es gibt viele Funde, die man nicht mit Wasser reinigen kann, weil das die Fossilien oder das die Fossilien beherbergende Matrixgestein zerstören würde. Diesbezüglich sollte man sich vorher erkundigen. Im Zweifel einfach im Steinkern-Forum nachfragen. Es ist sinnvoll, bei unbekanntem Material ein paar Teststücke mehr mitzunehmen und erst einmal daran Reinigung und Präparation zu üben.

Bei rissigen oder bröckelnden Stücken muss erst mit Kleber oder Tiefgrund (siehe weiter unten) stabilisiert werden.

Die Funde gut gelüftet trocknen lassen und erst dann einlagern, sonst bildet sich Schimmel im Schrank.

Bei der Reinigung und Vorsortierung der Funde steht man oft vor einem Haufen von Kleinteilen, die zwischengelagert oder auch eingeweicht werden müssen. Da ist es sehr nützlich viele kleine Dosen zu haben. Bei IKEA gibt es ein 17 teiliges Set Dosen für 3,99 €. Das ist genial für unsere Zwecke.

 

Präparation

Ein Thema zu dem man Bücher schreiben kann. Geduld, Geschick und Erfahrung sind aber wichtiger als teure Geräte. Ein Sandstrahler und ein Druckluftstichel sind gewiss sehr nützlich, aber in Verbindung mit einer Absaugeinrichtung, Arbeitskabinen und einem Kompressor auch teuer und man benötigt einen Werkstattraum, um all dies unterzubringen.

Wenn man ein wirklich gutes Stück gefunden hat, dann sollte man sich genau überlegen, ob man auch in der Lage ist es zu präparieren. Im Zweifel sollte man es erst einmal einlagern und an seinen Präparationsfähigkeiten arbeiten, bevor man das Stück zerstört und sich hinterher noch lange Zeit darüber ärgert. Oder man fragt einen Experten um Rat. Es gibt Sammler und Präparatoren die gegen Bezahlung besondere Fundstücke mit der nötigen Erfahrung und professionellem Equipment als Auftragsarbeit freilegen.

Manche Funde macht man nur einmal im Leben... hier lohnt es sich also ggf. entweder abzuwarten oder aber einen Präparator zu suchen.

 

Für den Anfang genügt oft aber schon Folgendes:

 

Mechanische Präparation:

 

- Ein kleiner Hammer für die Arbeit mit den kleinen Meißeln.

 

- Kleine Meißel, z. B. eignen sich Sets sogenannter Uhrmacherschraubendreher, soweit sie über eine Art Schlagkopf verfügen.

 

- Eine Unterlage, zum Beispiel ein Sandsack aus Jute.

 

- Eine Steinsäge. Damit ist eine Bügelsäge mit einem Sägedraht gemeint, man kann bei Ebay nach dem Stichwort "Sägedraht Fliesen" suchen. Damit bekommt man jeden Brocken sicher formatiert, auch wenn man etwas Geduld braucht.

 

- Präpariernadel. Für den Anfang kann man unter diesem Stichwort bei ebay für ein paar Euro zwei oder
    drei Präpariernadeln kaufen.

 

- Standlupe. Unter dem Stichwort "Lupenlampe LED" kann man bei ebay ganz ordentliche Modelle für 20 Euro kaufen. Diese haben meistens zwei Vergrößerungen.

 

- Drahtbürste. Es gibt Dreierpacks für einen Euro mit je einer Stahl-, Nylon- und Messingbürste.
Die Messingbürste ist für unsere Zwecke nicht zu gebrauchen, aber die anderen beiden sind ggf. hilfreich. Mit der Stahlbürste sollte man aber nur sehr zurückhaltend am Fossil selbst arbeiten, da sie schnell Kratzer hinterlässt.

 

Wenn man die Anschaffung eines der folgenden Werkzeuge plant, dann sollte man unbedingt vorher überlegen, ob es für die eigenen Anforderungen geeignet ist. Am besten bei jemandem ausprobieren, der das Gerät bereits besitzt und schon länger damit gearbeitet hat.

 

- Dremel.

Der Dremel ist ein drehendes Werkzeug, nicht unbedingt optimal für die Präparation, aber viele Sammler erzielen damit dennoch recht gute Ergebnisse. Ob man jetzt ein Original oder einen Nachbau kauft, muss jeder für sich entscheiden. Das Original-Zubehör ist sehr teuer und es schadet nicht, sich bei Fremdanbietern umzuschauen. Da alles für das Original-Bohrfutter gebaut ist, sollten alle Teile kompatibel sein. Manchmal ist drehendes Werkzeug sogar auch bei fortgeschrittenen Präparatoren im Einsatz, um z. B. durch Fossilien verlaufende Kalzitnähte zu verschleifen, insofern wird das Gerät auch dann nicht nutzlos, wenn man später einmal aufrüstet (Druckluftstichel, Strahlgerät).

 

- Elektrischer Präparierstichel.
Bei diesem Handwerkzeug schlägt eine Hartmetallspitze auf den Stein. Etwas teurer als der Dremel. Auch hier gibt es Sammler, die damit gute Ergebnisse hinbekommen. Bei Steinkern gibt es einen Bericht über diese Geräte.

 

 

Wenn man sich intensiver mit der Präparation beschäftigt, wird man schnell über die schon angesprochenen Druckluftpräparierstichel und Sandstrahler nachdenken. Da diese Geräte, wie schon erwähnt, vergleichsweise teuer und komplex sind, sowie einen Kompressor und gegebenenfalls eine Absauganlage als zusätzliche Anschaffungen erforderlich machen, möchte ich hier auf eine Vorstellung verzichten, zumal sich auf der Homepage und im Forum bereits zahlreiche hilfreiche Beiträge zu diesem Themenfeld finden lassen. Da dieser Beitrag hauptsächlich für Sammelanfänger geschrieben wurde, würde es an dieser Stelle zu weit führen.

 

 

Chemische Präparation:

Eine günstige Grundausstattung für die chemische Präparation könnte diese drei Flüssigkeiten beinhalten. Der Umgang damit ist gefährlich und nicht einfach. Weitere Informationen dazu bitte im Forum nachlesen, insbesondere sind die Sicherheitshinweise im Umgang mit Chemikalien zu beachten. Schriftliche Informationen, wie die Chemikalien anzuwenden sind, erhält man vom Verkäufer auch bei Erwerb des Produkts. Diese sollte man streng beachten und sich die nötige Schutzausrüstung zulegen und diese stets vor Einsatz der Chemikalien verwenden.

 

- Salzsäure, 1 Liter, 33%-ig aus dem Baumarkt.

Bei kurzer Anwendung können Kalke leicht angeätzt werden. Strukturen kommen besser heraus, Kratzer können gemildert werden, anhaftender Dreck lößt sich.
  

- Tiefgrund auf Wasserbasis aus dem Baumarkt 1 Liter.

Zur Stabilisierung von brüchigen Stücken sehr hilfreich.

 

- Rewoquat (kurz Rewo genannt) ist ein Tensid.

1 Liter kostet 25 Euro, aber man kommt sehr lange damit aus und es hilft sehr bei der Entfernung anhaftenden Mergels.

 

Als Schutz- und Hilfsmittel (nicht abschließend):

 

- Säurefeste Handschuhe.

 

- Pipetten zum gezielten Auftragen.

 

 

Lagerung

Man sollte Fossilien möglichst bei Raumtemperatur und trocken lagern. Das kann ein Beitrag dazu sein, das Ausblühen von in Markasit erhaltenen Fossilien zu verhindern. Da Steine recht schwer sind, sollte die Stabilität des Regales oder Schrankes bedacht werden. Auch sollte man mit zunehmendem Sammlungsumfang die Statik des Gebäudes nicht außer Acht lassen.

Viele Sammler stellen einen Teil der Sammlung in Vitrinen aus. Der Rest wird im Keller eingelagert. Grundsätzlich sind alle Arten von Kisten, Schränken oder Regalen geeignet.

Man sollte alle Funde beschriften und die wichtigsten Daten dazu festhalten: Fundort, Datum, Bestimmung, Schicht. In einer Datenbank kann man natürlich weitere Kriterien erfassen. Informationen zur Sammlungskatalogisierung sind hier zusammengefasst.

 

 

Schlusswort

Das ist jetzt ein ziemlicher Rundumschlag von der Exkursionsvorbereitung bis zur Präpararation und Lagerung der bei der Exkursion getätigten Funde geworden. Ich hoffe diese Stichpunkte helfen dem einen oder anderen Einsteiger weiter und regen zu weiteren Nachforschungen im Forum an.

Natürlich kann man auch einfach ohne die meisten der aufgezählten Dinge Fossilien suchen gehen, aber eventuell ist ja doch der eine oder andere nützliche Tipp dabei.

Jeder Sammler muss für sich entscheiden, was er für die Ausübung des Hobbys braucht und was für ihn die passende Ausrüstung und die beste Vorgehensweise ist. Da hilft es nur, selber Erfahrungen zu sammeln. Wer einmal bei einem Steinkerntreffen in Sengenthal teilnimmt, der wird sich über das bunte Sammelsurium an Wägelchen, Sonnenschirmen, Werkzeugen und Klamotten freuen, die da im Steinbruch versammelt sind - so individuell wie ihre Besitzer :)

 

Thomas Magiera