Unterer Jura (Lias)

Fund und Präparation eines Lytoceras furcicrenatum aus dem Margaritatus Stone von Eype (Dorset, UK)

Die englische Ärmelkanalküste in Dorset ist eine der am stärksten erodierenden Küsten Europas. Insbesondere der Teil der Jurassic Coast entlang der Küstenorte Lyme Regis, Charmouth, Seatown und Eype bis nach Burton Bradstock ist für Fossilien aus dem Unter- und Mitteljura berühmt. Daher besuchte ich mit meinen Sammlerkollegen Sönke Simonsen und Michel Rabe im April 2016 Südengland, um zwei Wochen später mit zahlreichen Fossilien nach Hause zurückzukehren.

Für Michel und mich war es die erste England-Tour. Ein Bericht über die gesamte Exkursion erschien in Heft 26 der Steinkern-Zeitschrift (SIMONSEN, LÜCKE & RABE 2016). Inzwischen konnten viele unserer damaligen Fundstücke präpariert werden eines davon möchte ich nachfolgend vorstellen,

Schon am ersten Exkursionstag konnte ich am Golden Cap bei Charmouth mit Ammoniten der Gattungen Liparoceras (Becheiceras), Oistoceras und Metacymbites schöne Funde machen. Und es sollte gleich gut weiter gehen:

Am zweiten Tag suchten wir einen Strandabschnitt am Thorncombe Beacon bei Eype auf, an dem neben vielen anderen Schichten u. a. der Margaritatus Stone der Subnodosus-Subzone der Margaritatus-Zone des Oberpliensbachiums aufgeschlossen ist.
Nach einem kurzen Fußmarsch vom Eype's Mouth Car Park am Strand entlang mit Rucksack und Vorschlaghammer erreichten wir einen Bereich mit Felsblöcken, die es zu untersuchen galt.
Es war sonnig und schon sehr warm für April. Daher wurde das Klettern über die Felsen und das Aufschlagen der Blöcke nach einigen Stunden etwas anstrengend. Nach dem Bergen zweier Ammoniten der Gattung Amaltheus und einer Schnecke der Gattung Pleurotomaria machte ich eine Pause.
Ich setzte mich gemütlich auf einen Felsblock und aß ein Butterbrot. Als beständiger Sammler ließ ich dabei meine Blicke in die nähere Umgebung wandern und entdeckte an einem Gesteinsblock des Margaritatus Stone ein Stück dunkle Schale eines Fossils von der Größe einer Streichholzschachtel.

 

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Abb. 1: Fundstelle am Thorncombe Beacon mit Blickrichtung Osten. Foto: Sönke Simonsen

 

Mit dem Geologenhammer schlug ich vorsichtig auf den Stein ohne viel zu erwarten. Er sprang günstig auf und es zeigte sich die Außenwindung eines recht großen Lytoceras.

 

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Abb. 2: Der Ammonit am Fundort. Foto: Sönke Simonsen

 

Leider musste ich feststellen, dass ein größerer Windungsabschnitt bereits vom Meer erodiert war. Der Felsblock musste also schon längere Zeit am Strand gelegen haben, was ich in dieser Situation nicht bedauerte – er hatte ja auf mich gewartet.
An der Verjüngung der Windung konnte ich erkennen, dass die Innenwindungen des Ammoniten, sofern vorhanden, in den Stein hineinlaufen müssten. Da der Brocken insgesamt zu groß für den Abtransport war, formatierte ich ihn vorsichtig mit Fäustel und Meißel.

Spätnachmittags musste ich den Fund nur noch über die Felsen und den Kiesstrand zum Auto schleppen, was angesichts des Gewichts und mit Rucksack, Vorschlaghammer und den übrigen Funden keine leichte Übung war.


Zurück in Deutschland präparierte ich zuerst die „niedrig hängenden Früchte“ der Exkursion und startete erst im Herbst letzten Jahres das "Projekt Lytoceras“. Das Gestein erwies sich als sehr hart und zäh haftend. Ich entschied mich, die Seite mit mehr Überdeckung freizulegen, weil ich hoffte, so die bessere Seite des Ammoniten zu erwischen. Dies sollte sich später als die richtige Entscheidung erweisen.

 

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Abb. 3: Der Zustand vor Präparationsbeginn.

 

Zuerst tastete ich mich mit dem Stichel HW-70 an der Außenwindung entlang. Ich stichelte bis knapp über die Schale und strahlte diese dann mit Eisenpulver frei. Danach sägte ich das Gestein über den Innenwindungen mit einem Dremel und Diamantscheibe ein, um mit dem Stichel die dadurch entstandenen kleineren Stücke schneller abtragen zu können. Diesen Vorgang wiederholte ich mehrmals, bis sich die Überdeckung der Innenwindungen etwa auf Höhe der Außenwindung des Lytoceras befand.

 

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Abb. 4: Das harte Gestein wurde zwecks Beschleunigung des Abtrags eingesägt. Foto vergrößern.

 

Danach tastete ich mich durch abwechselndes Sticheln und Strahlen an die Innenwindungen heran.

 

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Abb. 5: Ein Sichtfenster auf die nächste Windung auf 2-3 Uhr ließ hoffen, dass der Ammonit auch in Richtung Zentrum eine gute Schalenerhaltung aufweisen würde.

 

Ich legte Stück für Stück die Innenwindungen frei. Dabei stellte sich heraus, dass diese stellenweise mit Serpeln bewachsen sind. Der Ammonit muss vor seiner Einbettung also einige Zeit frei am Meeresgrund gelegen haben.
Bei der gesamten Präparation erwartete ich das Auftauchen der für viele Lytoceraten typischen faltenartigen Kragenringe. Diese blieben jedoch bis auf wenige nur schwach ausgeprägte Krägen auf den inneren Windungen aus. Glücklicherweise erwies sich gegen Ende der Arbeiten, dass der Ammonit in guter Erhaltung bis ins Zentrum läuft. Nach abgeschlossener Präparation des Ammoniten glättete ich noch die Konturen der Matrix und schuf eine Standfläche.

Die Gesamtpräparationszeit betrug aufgrund der Gesteinshärte über 30 Stunden.

Das Ergebnis ist ein sehr schönes, großes Lytoceras furcicrenatum BUCKMAN 1928, dessen Schale vergleichsweise dunkel und ohne die typischen Kragenringe überliefert ist. Ein am anderen Ende der im Margaritatus Stone anzutreffenden Farbvarianz liegendes, helles Lytoceras mit zahlreichen Kragenringen, das er bei einer früheren Exkursion am gleichen Fundort bergen konnte, hat Sönke kürzlich im Steinkern-Heft Nr. 32 vorgestellt (SIMONSEN 2018). Es kann sich also jeder schonmal wieder neue Ziele für die nächste Dorset-Exkursion stecken.

 

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Abb. 6: Lytoceras furcicrenatum BUCKMAN 1928, 17 cm (gemessen von 5 bis 11 Uhr). Ansicht vergrößern.

 

 

Markus Lücke, Bielefeld, im Februar 2018

 

 

Literatur:

 

SIMONSEN, S., LÜCKE, M & RABE, M. (2016): Eindrücke einer England-Exkursion im April 2016, in: Der Steinkern - Heft 26, S. 52-66.

 

SIMONSEN, S (2018): Stufe mit Lytoceras und Amaltheus aus dem Margaritatus Stone von Eype (Dorset), in: Der Steinkern - Heft 32, S. 59-66.